Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zur Obsession wird

Juli Rutsch
Juli Rutsch

Am

Kann man sich zu gesund ernähren? Ja, kann man. Es gibt dafür sogar einen eigenen Namen: Orthorexie. Und dahinter steckt nichts Gutes ...

Kann man zu gesund leben?
Kann man zu gesund leben? - Depositphotos

Kann man zu gesund leben? Eine Frage, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat.

Die Antwort darauf ist überraschenderweise: Ja, kann man. Es gibt sogar einen Begriff dafür – Orthorexie.

Orthorexie oder auch Orthorexia nervosa bezeichnet eine Essstörung, bei der die Betroffenen wie unter Zwang alles dafür tun, sich wenn, dann «gesund» zu ernähren. Doch was passiert, wenn diese sogenannte gesunde Ernährung zur Besessenheit wird?

Wenn Gesundheitsfanatismus krank macht

Menschen mit Orthorexie sind absolut unflexibel, was ihre Ernährung betrifft. «Gesund» ist Pflicht, alles andere geht eben nicht.

Anders gesagt: Menschen mit Orthorexie verfallen einem «Alles-oder-nichts»- und «Schwarz-Weiss-Denken». Das macht sich meist auch in anderen Bereiche ihres Lebens bemerkbar.

Mann Scheideweg fettige gegen gesunde Nahrung
Wer unter Orthorexia nervosa leidet, verbietet sich jegliches, als «ungesund» eingestuftes Essen. - Depositphotos

Nun findet unsere Wellness-Kultur diesen Ernährungsfokus «Gesund» in der Regel vorbildlich und nachahmenswert. Aber was, wenn die «gesunde Ernährungsweise» schon schleichend zur Sucht geworden ist oder krankhaften Obsession?

Anzeichen für eine orthorektische Störung

Ob das so ist, lässt sich an verschiedenen Symptomen schnell erkennen. Wer zwanghaft Zutatenlisten oder Nährwertangaben studiert, ist schnell unter den Verdächtigen.

Ebenso wer konstant anzweifelt, dass Inhaltsstoffe gesund sind, oder schlicht immer mehr Nahrungsmittelgruppen komplett aus dem eigenen Speiseplan streicht: Zucker, Kohlenhydrate, Milchprodukte, Fleisch etcetera.

Extrem wird es, wo jemand nur die Lebensmittel essen kann, die sie oder er vorher als «gesund» oder «rein» eingestuft hat – bei allem anderen aber passen muss.

Behandlung von Orthorexie: Ein interdisziplinärer Ansatz

Eine letzte Sicherheit der Diagnose gibt zwar immer erst der Arzt. Und obwohl Orthorexie formal noch nicht als Krankheit anerkannt ist, weiss man schon:

Um diese Essstörung zu behandeln, reicht die Ernährungsberatung allein nicht, sondern ein interdisziplinäres Team muss her. Dazu gehören in der Regel Ernährungsberater, Psychotherapeuten und Ärzte.

Tatsächlich wird Orthorexie oft verherrlicht, insbesondere in der Wellness-Kultur.
Tatsächlich wird Orthorexie oft verherrlicht, insbesondere in der Wellness-Kultur. - Depositphotos

In schweren Fällen kann sogar eine stationäre Behandlung notwendig sein.

«Gesund» ist was anderes als «perfekt»

Natürlich ist nicht gleich jeder essgestört, der sich gesund ernähren will und da auch einigermassen konstant drauf achtet.

Doch es ist möglich, in ein «zu gesund» abzurutschen. Denken Sie immer an Ihre Absichten und seien Sie ein wenig skeptisch gegenüber neuen Trends: «gesund» und «perfekt» sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Wer mit der Nahrung spielt, spielt mit seiner Gesundheit, und das ist mit dem Leben und dem Tod. Vermeiden Sie solche Extremsituationen – geniessen Sie Ihr Essen auch, wie Ihr Leben, und das hoffentlich lange!

Mehr zum Thema:

Weiterlesen

Kommentare