Sollten wir mehr lebende Mikroorganismen essen?

Juli Rutsch
Juli Rutsch

Am

Ein gesundes Magen-Darm-System ist ein Schlüsselfaktor für unsere allgemeine Gesundheit. Experten raten vermehrt zu mehr Mikroorganismen in der Nahrung.

Da steckt viel Leben in der Tasse: Joghurt gehört zu den Lebensmitteln mit bemerkenswerter Menge an Probiotika.
Da steckt viel Leben in der Tasse: Joghurt gehört zu den Lebensmitteln mit bemerkenswerter Menge an Probiotika. - Depositphotos

Wer Magenprobleme hat, sieht meistens auch Tag samt Nachbarn nur grimmig entgegen. Die Magen-Darm-Gesundheit ist für die allgemeinen Gesundheit wesentlich.

Doch wie hält man ein Margen-Darm-System «gesund»?

Mikroorganismen halten den Darm auf Trab

Eine wachsende Anzahl von Experten empfiehlt den Verzehr von mehr lebenden Nahrungsmittelmikroben durch fermentierte Lebensmittel mit aktiven mikrobiellen Bestandteilen.

Moderne Ernährungsgewohnheiten haben zu einem Rückgang der Anzahl nützlicher Mikroorganismen geführt, die der Mensch über die Nahrung aufnimmt.
Moderne Ernährungsgewohnheiten haben zu einem Rückgang der Anzahl nützlicher Mikroorganismen geführt, die der Mensch über die Nahrung aufnimmt. - Depositphotos

Denn: Durch moderne Ernährungsgewohnheiten, Lebensmittelverarbeitung und Hygienemassnahmen sind wir insgesamt weniger Mikroorganismen ausgesetzt.

Dies hat zwar dazu beigetragen, Infektionskrankheiten einzudämmen, was eine feine Sache ist. Doch einige Forscher vermuten, dass genau deshalb immer mehr Allergien auftreten, ebenso autoimmune Krankheiten sowie Fettleibigkeit.

Wie unsere Ernährung unser Immunsystem beeinflusst

In der Frühzeit der menschlichen Evolution musste unser Immunsystem – insbesondere das Darm-System, das 70 Prozent unserer Immunzellen repräsentiert – mit einer Vielzahl von Mikroorganismen fertigwerden.

Diese kamen über die Nahrung in unseren Körper. Das ist heute anders, der industrialisierten Kost neuerer Zeiten sei (Un-)Dank.

Wissenschaftler spekulieren nun darüber, ob unser menschliches Immunsystem genügend Zeit hatte, sich an die heute viel niedrigeren Mengen sicherer, lebender Mikroorganismen in unserer Ernährung anzupassen.

Das können sichere, lebende Mikroorganismen

Die Hypothese, dass Nahrungsmittelmikroben die menschliche Gesundheit unterstützen könnten, wird durch viele Überlegungen gestützt. Der Nobelpreisträger und Immunologe Ilya Metchnikoff stellte vor über 100 Jahren fest, dass bulgarische Bauern, die grosse Mengen fermentierter Milchprodukte zu sich nahmen, länger lebten.

Weitere Forschungen verglichen tribale Ernährungsweisen voller Ballaststoffe und lebender Mikroben dann mit ballaststoffarmer und sterilisierter Kost von Menschen in industrialisierten Gesellschaften.

Sie stellten deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung des fäkalen Mikrobioms fest – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gesundheitsergebnisse.

Welche Lebensmittel haben wie viele Mikroorganismen?

Eine unkomplizierte Möglichkeit zur Integration sicherer und aktiver Mikroorganismen in den Alltag bietet unsere Ernährung. Fermentierte Lebensmittel könnten zum Beispiel eine neue fünfte Nahrungsmittelgruppe neben Fleisch, Gemüse, Milchprodukten und Getreide bilden.

Saure Gurken Schalen Salz Löffel Kräuter dekoriert
Eine der einfachsten Möglichkeiten, sichere, lebende Mikroorganismen in Ihr tägliches Leben zu integrieren, ist die Ernährung – etwa über fermentierte Lebensmittel wie saure Gurken. - Depositphotos

Als Nächstes müssen die Wissenschaftler nun Datenbanken entwickeln, die Schätzungen zur Menge lebender Mikroorganismen in Lebensmitteln enthalten. Ausserdem will man das derzeitige Wissen über den Verzehr von lebenden Mikroben und deren Auswirkungen auf die Gesundheit zusammentragen.

Bis es so weit ist, braucht es aber noch ein bisschen Zeit. Und: viele Studien, die klar aufzeigen, welche Ernährungsempfehlungen langfristig der Gesundheit förderlich sind.

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